AUSSTELLUNG | Aktuell
(Der Zwischenverkauf ist wie immer vorbehalten.)
Vor 50 Jahren ist Max Ackermann gestorben, wir wollen in dieser Kunstschau deshalb einen Raum seinem Gesamtwerk widmen, wohl wissend, damit nur kleine Einblicke in ein monumentales Werk geben zu können. Andere Galerien und Museen zeigen Einzelpräsentationen des Künstlers. Ackermann zählt zweifellos zu den konsequentesten Erben der klassischen Moderne im deutschen Südwesten und nimmt innerhalb der Wirkungsgeschichte des Hölzel-Kreises eine eigenständige, zugleich verbindende Position ein. Schon früh entwickelte er ein autonomes Verständnis von Farbe als geistig-emotionalem Träger künstlerischer Aussage. Wie bei Hölzel steht am Beginn die Analyse der Form und die Entbindung der Farbe von gegenständlichen Bindungen; doch führt Ackermann diese Grundsätze zu einer ausgeprägt rhythmischen, dynamisch konstruierten Bildsprache, in der Klang-Metaphorik, Bewegungslinien und Farbakkorde ein spezifisch musikalisches Prinzip der Abstraktion entfalten. Damit wurde er zu einer Schlüsselfigur zwischen deutscher Avantgarde vor 1933, der künstlerischen Erneuerung nach 1945 und der internationalen Entwicklung abstrakter Malerei.
Sein Wirken als Lehrer und Theoretiker – etwa an der von ihm mitgeprägten „Bild- und Farbschule“ in Stuttgart und später am Bodensee – machte Ackermann zu einem bedeutenden Vermittler des Hölzel-Gedankens. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler fanden über ihn Zugang zu strukturellem Denken in Farbe und Form; seine didaktischen Schriften und Übungen wirkten weit über regionale Kontexte hinaus. Damit bleibt Ackermann eine zentrale Figur der südwestdeutschen Moderne: weniger spektakulär als manche seiner Weggefährten, doch umso nachhaltiger in seiner geistigen Präsenz und pädagogischen Wirkung.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Spätwerk, das in den letzten Lebensjahren eine bemerkenswerte Intensivierung erfährt. Pastelle und – für einen Künstler seines Jahrgangs ungewöhnlich – eine große Zahl kleiner Acryltafeln dominieren. Gerade in diesen späten Acrylbildern, die Ackermann im Alter von über 85 Jahren schuf, manifestiert sich eine vitale, von jugendlicher Freiheit geprägte Bildenergie. In ihrer brillanten Farbigkeit, den harten Konturen und optischen Kollisionen antworten sie in abstrakter Weise auf die Herausforderungen der Pop-Art aus den USA. Ackermann übernimmt deren Direktheit und Signalwirkung der Farbe, transformiert sie jedoch in ein streng musikalisch-abstraktes Ordnungssystem: eine späte, souveräne Behauptung der europäischen Avantgarde gegenüber den neuen Bildwelten der Nachkriegszeit. So erscheint das Alterswerk nicht als Epilog, sondern als kulminierender Höhepunkt – eine energetische Verdichtung der jahrzehntelang verfolgten Idee, Farbe als reine Kraft und geistigen Raum erfahrbar zu machen.
Seien Sie auf unsere Auswahl gespannt – natürlich auch auf den Querschnitt an Neuerwerbungen, die wir daneben wie immer in großer Zahl präsentieren.
Ihr Rudolf Bayer
→ Broschüre zur Ausstellung als PDF